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Hollywood-Legende Sidney Poitier ist tot

Er war der erste Schwarze Schauspieler, der jemals mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Nun ist Sidney Poitier im Alter von 94 Jahren gestorben.

Sidney Poitier war eine Ikone des afroamerikanischen Kinos und eine der letzten lebenden Schauspiel-Legenden aus der Goldenen Ära Hollywoods, der allerdings auch noch bis tief in die New-Hollywood-Ära hinein wirkte. Jetzt ist der bahamaisch-US-amerikanische Schauspieler und Regisseur im Alter von 94 Jahren gestorben, wie das bahamaische Außenministerium am heutigen Freitag gegenüber Fox News verkündete. Die Todesursache ist noch unbekannt.

Über 50 Rollen spielte Sidney Poitier in seiner Karriere. Zu seinen bekanntesten Leinwandauftritten zählen „Flucht in Ketten“, „Rat mal, wer zum Essen kommt“ und „In der Hitze in der Nacht“. Doch Poitiers wohl größter Triumph war sein Oscar-Sieg als Bester Hauptdarsteller in „Lilien auf dem Felde“ im Jahr 1964.

Es war der erste Schauspiel-Oscar für einen männlichen Afroamerikaner überhaupt sowie der erste Schauspieler-Oscar für eine afroamerikanische Person in einer Hauptrolle (bei den Frauen war es Hattie McDaniel, die 1940 für „Vom Winde verweht“ als erste afroamerikanische Person einen Schauspiel-Oscar gewann, allerdings für eine Nebenrolle). Darüber hinaus erhielt er 2002 einen Ehrenoscar.

Mit Sidney Poitier erlischt in Hollywood nun ein weiterer Stern innerhalb kürzester Zeit, nachdem erst gestern der Tod von Regie-Legende Peter Bogdanovich („Paper Moon“, „Die letzte Vorstellung“) bekannt wurde.


Sidney Poitier und Tony Curtis in einer Szene des Films "Flucht in Ketten"
Die Rolle in dem Film „Flucht in Ketten“ brachte Poitier seine erste Oscar-Nominierung ein

Sidney Poitier war für die Menschen in Amerika vieles: ein Schauspieler, Superstar, ein Brückenbauer zwischen Schwarz und Weiß. Für seine sechs Töchter war er ein Vorbild, wie man ein selbstbestimmtes Leben führt, so erklärte es seine Tochter Sydney Tamiia in einem Interview im vergangenen Jahr: „Er sagte uns immer: Sei der Kapitän deines eigenen Schiffes. Wir müssen unseren moralischen Kompass kennen und diese Richtung einschlagen – egal, was um uns herum passiert.“

Aus armen Verhältnissen bis nach Hollywood

Ihr Vater weiß, wovon er spricht. Denn Poitier hat eine erstaunliche Hollywood-Karriere gemacht. Aufgewachsen ist er in armen Verhältnissen auf den Bahamas; nur wenige Jahre Schule waren ihm vergönnt. Trotz dieses bescheidenen Starts wurde er zu einer Filmlegende. Der Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey sagte Poitier einmal: „Meine Eltern brachten mir bei, dass ich grundlegende Rechte hatte. Dass ich jemand war. Wir hatten kein Geld, keinen Strom, kein fließendes Wasser. Meine Eltern brachten mir trotzdem bei, dass ich jemand war.“

Mit 18 Jahren geht er zunächst nach New York, spielt am Broadway. 1950 spielt er in dem Hollywoodfilm „Der Hass ist blind“, einem Rassismusdrama.

Die Konflikte zwischen der schwarzen und weißen US-Bevölkerung bleiben ein wichtiges Thema in den Filmen, in denen er mitspielt. Und Poitier bricht auch Tabus – wie in dem Film „Rate mal, wer zum Essen kommt“, in dem es zum ersten Mal zu einem Kuss zwischen einer weißen Frau und einem schwarzen Mann auf der Leinwand kam. Das war 1967.

Im Film entspinnt sich ein Dialog zwischen dem Vater der Frau, gespielt von Spencer Tracy, und Poitier in der Rolle des Schwiegersohns in spe. „Habt Ihr schon mal darüber nachgedacht, welche Probleme eure Kinder haben werden?“, fragt der Vater. „Ja“, antwortet Poitier: „Sie werden einige haben.“

Ein Wegbereiter für viele Schwarze

Drei Jahre zuvor hatte Poitier in Hollywood Geschichte geschrieben. Als erster Schwarzer war er mit einem Oscar als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet worden – für seine Rolle in „Lilien auf dem Felde“. Darin spielt er einen Gelegenheitsarbeiter, der ein paar deutschstämmigen Nonnen beim Bau einer Kapelle hilft.

Legendär ist auch seine Rolle in dem Film „In der Hitze der Nacht“, in dem er einen Ermittler spielt, der einen Mordfall in einer Kleinstadt im vom Rassismus geprägten Süden aufklären soll. In der wohl berühmtesten Szene verpasst der mutmaßliche Täter der Figur Poitiers eine Ohrfeige. Dieser schlägt rasch und ein wenig härter zurück. Er, der schwarze Mann, wehrt sich. Regisseur Norman Jewison sagte später, es sei die Ohrfeige gewesen, die in der ganzen Welt gehört wurde.

Viele schwarze Schauspieler und Schauspielerinnen nennen Poitier als ihr Vorbild, als Wegbereiter für viele andere Schwarze in Hollywood. 2009 erhielt Poitier die „Presidential Medal of Freedom“, die höchste zivile Auszeichnung der USA. Verliehen bekam er sie vom damaligen US-Präsidenten Barack Obama. Dieser sagte, Poitier mache keine Filme, sondern schaffe Meilensteine künstlerischer Extraklasse und des amerikanischen Fortschritts.

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