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Impfpflicht in Österreich: Was bedeutet das für Bürger/innen?

Impfpflicht in Österreich: Österreich führt als erstes Land in der Europäischen Union eine Impfpflicht gegen Covid 19 ein. Wird es bei Inkrafttreten Ausnahmen geben, wird unter Zwang geimpft und wie hoch sind die Strafen für Ungeimpfte?

Für eine Impfpflicht gegen Covid 19 in Österreich stimmten nicht nur die Abgeordneten der Regierungsparteien, sondern auch ein Großteil der Opposition. Die Sozialdemokraten, aber auch die Mehrheit der Abgeordneten der liberalen Neos, stimmten dem Gesetzentwurf zu. Die rechtspopulistische Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) stimmte dagegen.

Nachdem das Gesetz in Wien im Unterhaus verabschiedet wurde, muss es am 3. Februar im Oberhaus, das Vertreter der neun Bundesländer versammelt, abgesegnet werden. Es wird davon ausgegangen, dass dies sicherlich geschehen wird und die allgemeine Impfpflicht in Österreich einen Tag später, am 4. Februar, in Kraft treten und für alle in der Europäischen Union zugelassenen Kronen-Impfstoffe gelten soll.

Ziel der Regierung ist es, den Anteil der Geimpften deutlich zu erhöhen. Sie liegt derzeit bei etwa 75 %, was im Vergleich zum EU-Durchschnitt mittelmäßig ist. Bislang war die Verschärfung von Maßnahmen, wie die Einführung eines Lockdowns für Ungeimpfte, nicht erfolgreich genug.


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Gilt die Impfpflicht für alle Bürger?

Die Impfpflicht in Österreich gilt für alle dort ansässigen Staatsbürger, die das 18. Lebensjahr vollendet haben. Ursprünglich sollte die Grenze 14 Jahre betragen, aber dieser Vorschlag wurde abgelehnt.

Impflicht Ausnahmen

Ausgenommen von der Pflicht sind nur Schwangere sowie Personen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können oder nach der Impfung keine Immunantwort entwickeln. Damit jemand aus gesundheitlichen Gründen befreit werden kann, muss er ein entsprechendes ärztliches Attest vorlegen. Ausnahmebescheinigungen können nur von Fachkliniken, Gesundheitsämtern und Epidemiologen ausgestellt werden.

Sind die Genesenen von ihren Verpflichtungen entbunden?

Anders als in Deutschland, wo der Status derjenigen, die von Corona genesen sind, 90 Tage nach dem letzten positiven PCR-Test abläuft, sind es in Österreich 180 Tage oder sechs Monate nach der Infektion. Während dieser Zeit sind sie von der Impfpflicht befreit und unterliegen nach Ablauf dieser Frist erneut der Impfpflicht.

Wie viele Dosen umfasst die Pflichtimpfung?

Das Gesetz spricht von Erst- und Folgeimpfungen (Boostern). Die Zahl der späteren Impfungen wird durch einen Erlass des Gesundheitsministers festgelegt. Nach derzeitigem Stand erwartet die österreichische Regierung von ihren Bürgern drei Impfungen gegen die Krone, sofern sie sich nicht angesteckt haben.

Wird die Zwangsimpfung durchgeführt?

Nein, das Parlament hat entschieden, dass die Impfung obligatorisch ist, kanna aber nicht erzwungen werden. „Die Impfung darf nicht auf unmittelbare Anordnung und Zwang erfolgen“, heißt es in Artikel 1 des neuen Gesetzes.


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Wie wird die Impfpflicht kontrolliert?

Im ersten Schritt nach Inkrafttreten des Gesetzes sollen alle Haushalte in Österreich ein Schreiben des Gesundheitsministers mit Hinweisen zur Impfpflicht erhalten. Die ersten Kontrollen sind für Mitte März geplant.

Kontrollen sollten von der Polizei an öffentlichen Orten nach einem Stichprobenverfahren durchgeführt werden. Da es in Österreich keine generelle Pflicht zur Vorlage von Personaldokumenten gibt, könnte dies in der Praxis dazu führen, dass ungeimpfte Personen ohne Ausweis bei der nächsten Polizeidienststelle zur Identitätsprüfung festgenommen werden.

Im zweiten Schritt ist eine digitale Überprüfung des während der Pandemie in Österreich eingeführten Impfregisters geplant. Dann werden die Bußgelder automatisch versendet.

Wie hoch sind die Strafen?

Wird bei Stichproben ein Verstoß gegen das Impfpflichtgesetz festgestellt, kann die Polizei ein Bußgeld von 600 Euro verhängen. Die Strafe entfällt, wenn die Person innerhalb von zwei Wochen nach der Kontrolle geimpft wird. Bei Einwendungen gegen das Bußgeld können im Gerichtsverfahren höhere Bußgelder verhängt werden – bis zu 3.600 Euro.

Strafen für Nichtgeimpfte können bis zu vier Mal im Jahr verhängt werden – es sei denn, der Gesundheitszustand führt zur Aufhebung der Impfpflicht. Das Geld aus den Bußgeldern soll der Staat im Kampf gegen die Krone einsetzen.

Droht denjenigen, die den Impfstoff verweigern, eine Haftstrafe?

Das Covid 19 – Impfgesetz schließt die Zwangsarreste ausdrücklich aus, obwohl diese Möglichkeit in Österreich bei Nichtzahlung von Bußgeldern grundsätzlich vorgesehen ist. Allerdings heißt es in Artikel 10 des Gesetzes: „Wird eine Geldstrafe verhängt, so wird kein Ersatz durch Freiheitsstrafe verhängt, falls die Geldbuße nicht eingetrieben werden kann.“

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Wird die Entscheidung über die Impfpflicht vor Gericht fallen?

Führende Juristen in Österreich schätzen, dass der Verfassungsgerichtshof nicht das gesamte Gesetz annullieren wird. Es ist jedoch durchaus möglich, dass das Gericht Einwände gegen bestimmte Artikel dieses Gesetzes erhebt. Diskutierbar ist unter anderem, dass die Strafen höher ausfallen können, wenn der Verurteilte Widerspruch einlegt.

Welche Impfanreize sind geplant?

Parallel zur Einführung der Impfpflicht will Österreich Anreize setzen, um den Anteil der Geimpften zu erhöhen. Geplant sind Gutscheine im Wert von 500 Euro für einen Impfstoff, die in Restaurants und Geschäften eingelöst werden können. Außerdem könnten Kommunen Prämien oder Förderungen erhalten, wenn sie eine hohe Impfquote erreichen. Dafür will die Regierung eine Milliarde Euro bereitstellen. Fast zwei Drittel der Österreicherinnen und Österreicher halten laut Meinungsumfragen die Einführung der Impfpflicht für positiv.

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