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Knast für dänische Ex-Ministerin

KOPENHAGEN (Reuters) – Die ehemalige dänische Einwanderungsministerin Inger Stojberg, die für ihre harte Haltung in dieser Funktion bekannt ist, wurde von einem Amtsenthebungsgericht zu einer 60-tägigen Haftstrafe verurteilt, weil sie die Trennung von minderjährigen asylsuchenden Paaren rechtswidrig angeordnet hatte.

Stojberg wurde vorgeworfen, 2016 wissentlich gegen das Gesetz verstoßen zu haben, indem sie die Trennung aller asylsuchenden Flüchtlingspaare angeordnet hatte, von denen mindestens eines unter 18 Jahre alt war, eine Verletzung der Europäischen Menschenrechtskonvention.

Nach dänischem und Menschenrechtsgesetz müssen Paare einzeln beurteilt werden, was impliziert, dass die Anordnung des Ministers, alle minderjährigen Paare zu trennen, rechtswidrig war. Insgesamt wurden 23 Paare getrennt.

„Ich bin sehr, sehr überrascht. Ich denke, es sind die dänischen Werte, die verloren haben“, sagte Stojberg gegenüber Reportern. „Ich wollte und möchte diese Mädchen beschützen.“

Die rechtsgerichtete Politikerin, Ministerin von 2015-19 der Liberalen Partei, hat wiederholt bestritten, illegale Anordnungen getroffen zu haben. Ziel sei es, Kinderehen auszumerzen und minderjährige Mädchen zu schützen.

Stojberg galt als einer der Hauptarchitekten der harten Einwanderungspolitik Dänemarks, die es den Behörden ermöglichte, den Schmuck von Asylbewerbern zu beschlagnahmen.

„Ich werde meine Strafe mit erhobenem Haupt tragen“, sagte sie.

Der Fall begann, als sich 2016 ein syrisches Ehepaar beim Ombudsmann des Landes beschwerte, nachdem es in getrennten Asylzentren untergebracht worden war. Eine Untersuchungskommission in dem Fall, auch bekannt als „Kinderbraut-Fall“, kam zu dem Schluss, dass die Anordnung „eindeutig rechtswidrig“ war.

25 der 26 Richter stimmten zu, Stojberg erst vor dem sechsten Amtsenthebungsgericht seiner Art in Skandinavien seit mehr als 170 Jahren und zum ersten Mal seit 1995 zu verurteilen.

„Wir sind mit dem Urteil zufrieden“, sagten die Staatsanwälte Jon Lauritzen und Anne Birgitte Gammeljord gegenüber Reportern. „Es ist ein historischer Fall.“

Das Urteil ist endgültig und kann nicht angefochten werden.

 

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