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Taliban untersagen Frauen den Zugang zu Badehäusern

Die Taliban schränken das Leben von Frauen in Afghanistan mit neuen strengen Vorschriften weiter ein. Im Norden des Landes dürfen Frauen nun keine öffentlichen Badehäuser mehr besuchen. Die Entscheidung löst Wut und Empörung aus.

Die islamistischen Taliban haben Frauen im Norden Afghanistans verboten, öffentliche Badehäuser zu benutzen. Sardar Mohammad Heydari, ein Provinzvertreter des neu geschaffenen Ministeriums zur Erhaltung der Tugend, habe am vergangenen Montag angekündigt, dass Frauen in den Provinzen Balch und Herat die Badehäuser nicht mehr besuchen dürften, berichtet die britische Zeitung „Guardian“ am Freitag.

Frauen in Herat sagten dem „Guardian“, dass einige Einrichtungen bereits geschlossen seien. In der zweitgrößten Stadt des Landes verfügen demnach nur 39 Prozent der Stadtteile über ausreichenden Zugang zu Wasser und sanitären Einrichtungen.

Viele Haushalte hätten keine Möglichkeit, große Mengen Wasser zu erhitzen, teilte Winuss Azizi von der Organisation Visions for Children in Afghanistan dem „Guardian“ mit. „Deshalb sind die Menschen im Winter auf Hammams angewiesen“, sagte sie. „Der Islam verlangt eine religiöse Reinigung nach der Menstruation, der Geburt und dem Geschlechtsverkehr, wofür viele Badehäuser aufsuchen. Ich habe regelmäßig Frauen gesehen, die ihre Reinigungsrituale im Hammam verrichten.“

Immer strengere Vorschriften für Frauen in Afghanistan

Heather Barr, stellvertretende Direktorin für Frauenrechte der Organisation Human Rights Watch, sagte der Zeitung, sie sei „wütend“ über die „Grausamkeit, Frauen ohne Grund die einzige Möglichkeit zu nehmen, die Kälte zu lindern“. Die Taliban schienen die Absicht zu haben, „sich in jeden Aspekt des Lebens der Frauen einzumischen“.

Anfang der Woche verhängten die Taliban strenge Vorschriften für Modegeschäfte im Westen des Landes. Die Läden wurden aufgefordert, Schaufensterpuppen zu köpfen. Diese seien Götzenbilder und somit unislamisch, sagte Asisul Rahman, ein Provinzvertreter des Ministeriums zur Erhaltung der Tugend, der Deutschen Presse-Agentur.

Bereits in den vergangenen Wochen hatten die Taliban immer strengere Vorschriften für das öffentliche Leben erlassen. Zuletzt etwa wurden Autofahrer angewiesen, im Fahrzeug keine Musik abzuspielen. Zudem sollen Frauen ohne männliche Begleitperson nicht weiter als 45 Meilen (etwa 72 Kilometer) reisen dürfen. Immer noch sind die meisten weiterführenden Schulen für Mädchen geschlossen. Frauen können in vielen Fällen nicht mehr zurück an ihre Arbeitsplätze. Viele flohen seit der Machtübernahme der Islamisten im August 2021 aus dem Land.

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